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Studie warnt vor „Radikalisierung und Enthemmung unter extremen Rechten“


23.11.2020
Weniger Ausländerfeindlichkeit, aber ein dauerhaft hohes Niveau bei rechtsextremen Einstellungen und eine zunehmende „Radikalisierung und Enthemmung unter extremen Rechten“: Das sind zentrale Ergebnisse der aktuellen „10. Leipziger Autoritarismus-Studie“.
Cover der „10. Leipziger Autoritarismus-Studie“
Cover der „10. Leipziger Autoritarismus-Studie“
Laut der neuen Studie mit dem Titel „Autoritäre Dynamiken. Alte Ressentiments – neue Radikalität“, die vorige Woche vorgestellt wurde, sank der Anteil der als „manifest ausländerfeindlich“ Eingestuften im Vergleich zu 2018 von 23,4 auf 16,5 Prozent. Allerdings beschränkt sich dieser Rückgang vor allem auf Westdeutschland, wo 13,7 Prozent der Befragten als manifest ausländerfeindlich einzuschätzen seien, gegenüber 21,5 Prozent 2018. In Ostdeutschland dagegen sank der Anteil nur von 30,7 auf 27,8 Prozent. Manifest rechtsextreme Einstellungen nahmen im Osten sogar leicht zu und liegen jetzt bei 9,5 Prozent, so die Forscher. Im Westen seien drei Prozent manifest rechtsextrem eingestellt. 

Oliver Decker, einer der Autoren der Studie, wies darauf hin, dass trotz des Rückgangs der Ausländerfeindlichkeit das Niveau von Ausländerfeindlichkeit und rechtsextremen Einstellungen nach wie vor hoch sei und sagt, „dass autoritäre und antidemokratische Einstellungen eine beständige Bedrohung für unsere offene, liberale Gesellschaft darstellen“. Ausländerfeindlichkeit sei eine „Einstiegsdroge in den Rechtsextremismus“, sagte Decker. 

Die aktuelle Studie zeigt außerdem, dass die Zustimmung zu tradierter Judenfeindlichkeit bundesweit zwar leicht rückläufig ist, ebenso wie die Abwertung von Muslimen. Doch gebe es weiterhin ein „erschreckend hohes Niveau an Zustimmung“, warnen die Forscher. So stimmte mehr als ein Viertel der Befragten der Aussage zu: „Die Bundesrepublik ist durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maß überfremdet.“ In Ostdeutschland waren es 38 Prozent. 

Ferner belegt die neue Studie, dass der Glaube an Verschwörungsmythen gestiegen ist. „Unsere Befragung hat gezeigt, dass der Glaube an Verschwörungsmythen in der Bevölkerung seit 2018 gestiegen ist. Wir würden außerdem sagen, dass er als eine Art Einstiegsdroge für ein antimodernes Weltbild wirken kann“, sagt Mitautor Oliver Decker.

Für die zehnte Ausgabe der früher auch als Mitte-Studie bekannten Erhebung waren rund 2.500 Menschen im Mai und Juni 2020 zu autoritären und rechtsextremen Einstellungen befragt worden. 

Studie zum Download >> https://www.boell.de/sites/default/files/2020-11/Decker-Braehler-2020-Autoritaere-Dynamiken-Leipziger-Autoritarismus-Studie.pdf?dimension1=ds_leipziger_studie

Quellen: https://www.uni-leipzig.de/newsdetail/artikel/auslaenderfeindlichkeit-sinkt-aber-neue-radikalitaet-2020-11-18/, https://speicherwolke.uni-leipzig.de/index.php/s/WB4NN9TEa3i3CkF%20, https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2020-11/studie-rechtsextremismus-auslaenderfeindlichkeit-leipzig-autoritarismus-bevoelkerung, https://www.belltower.news/neue-zahlen-zu-rechtsextremismus-und-antifeminismus-antifeminismus-als-zentraler-bestandteil-rechtsextremer-ideologie-bestaetigt-107253/, https://www.neues-deutschland.de/artikel/1144619.rechtsextremismus-einstiegsdroge-in-den-rechtsextremismus.html